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    Sehr geehrte Frau Präsidentin,

     

    meine Damen und Herren,

     

    die PDS-Fraktion schlägt Ihnen mit der vorliegenden Drucksache 4/79 vor, die Geschäftsordnung des Landtages von
    Sachsen-Anhalt auch unter nochmaliger Prüfung der Stellungnahme des Gesetzgebungs- und Beratungsdienstes vom 20.04.2000 zu präzisieren.

    Dieser Vorschlag kommt nicht von ungefähr, er setzt die Diskussion fort, die mit der Drucksache 3/2294 der PDS und dem Änderungsantrag der CDU-Fraktion 3/2341 in der Dritten Legislaturperiode zum Beschluss des Landtages erhoben wurde.

    Dieser Beschluss hat jedoch einen Haken.

    Er bezieht sich nur auf die Tätigkeit der Landesregierung, ähnlich wie der § 151a der Gemeinde- und § 73a der Landkreisordnung Sachsen-Anhalt. Der Landtag selbst und seine Fraktionen sind davon unberührt. Aber genau dieser Punkt soll nunmehr geregelt werden, da das bisherige stillschweigende Einvernehmen zwischen den Fraktionen in kommunalrelevanten Themen die kommunalen Spitzenverbände zu hören offensichtlich von Seiten der Koalitionsfraktionen gebrochen wird.

    Auch wenn die CDU-Abgeordneten Stahlknecht, Hacke und weitere argumentieren, dass das Verhalten unserer Fraktion im Innenausschuss populistisch oder theatralisch gewesen sei, möchte ich heute und hier feststellen, dass die Anhörungsverfahren in der Dritten Legislatur mit den kommunalen Spitzenverbänden in einer Situation durchgeführt wurden, wo noch nahezu keine gravierenden Änderungen der Gebietsreform eingetreten waren, wo noch keine rd. 500 Bürgeranhörungen bzw. –bescheide durchgeführt worden sind.

    Dies jetzt als ausreichend hinzustellen ist nicht nur arrogant, es degradiert Bürgerwillen und bürgerschaftliche Verantwortung als Nebensache.

    Eben weil es unserer Fraktion um die Wichtung der Argumente bei wichtigen Entscheidungen, die alle Kommunen des Landes betreffen , ging, welche durch die Koalitionsfraktionen weggestimmt wurden, sahen wir uns als Opposition gezwungen einer solchen Ignoranz nicht Tor und Tür zu öffnen und haben uns zu dem genannten Verhalten entschlossen.

    Die kommunalen Spitzenverbände sind nicht irgend ein Verein oder Verband oder beliebige Gruppe. Sie sind die Interessenvertreter aller Städte und Gemeinden sowie Landkreise. Ihre Argumente ungeprüft ohne die Stellungnahme der Landesregierung bzw. der betroffenen Fraktionen vom Tisch zu wischen ist nicht nur undemokratisch, sie verletzen auch die Würde dieses hohen Hauses.

    Während in den vorherigen Legislaturperioden, werte Mitglieder der Koalitionsfraktionen, nicht zuletzt ihr jetziger Justizminister, Herr Becker, auch inhaltlich getragen durch unsere Fraktion wiederholt darauf aufmerksam gemacht hat, dass auch bei Gesetzesvorlagen aus den Fraktionen die Gesetzesfolgen abzuschätzen seien, ist dies durch ihr Verhalten offensichtlich schon ad acta gelegt.

    Es spricht schon Bände, wenn sich Herr CDU-Abgeordneter Stahlknecht nicht gerade vornehm dahingegen äußert, dass in den weiteren Verfahren zur Funktionalreform das Spiel der Anhörungen der kommunalen Spitzenverbände wieder aufgenommen wird.

    Nein, meine Damen und Herren, Anhörungen sind kein Spiel, sie dienen dazu, dass der Landtag bevor er entscheidet die unterschiedlichen Argumente austauscht, prüft und dann zu einer sachgerechten Entscheidung findet.

    Dies ist Inhalt und Ziel unseres Antrages auf Änderung der Geschäftsordnung.

    Offensichtlich sind zur Zeit die Bundestagswahlen, die „Einlösung“ von Versprechen der Landtagswahl höhere Interessen als die Vertretung der Interessen aller Bürgerinnen und Bürger sowie ihrer Kommunen, die Zukunftsfähigkeit von Sachsen-Anhalt.

     

    Meine Damen und Herren,

     

    mir ist bewusst, dass zur Überweisung in den Ältestenrat mindestens 24 Stimmen benötigt werden. Darum bitte ich Sie, dieser Überweisung zuzustimmen und diesen Antrag im Zusammenhang mit der beabsichtigten generellen Überarbeitung der Geschäftsordnung einzuordnen.

    Bedenken Sie bitte, es gibt auch ein Leben nach der Wahl und nicht zuletzt ist der entscheidende Punkt die zukünftige Entwicklung unseres Landes, die Gestaltung des Lebens und der Lebensumstände mit den Menschen.

     

    Ich danke für die Aufmerksamkeit